Nachhaltige Erzeugung

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Auch in den nächsten Jahrzehnten wird der weltweite Energiebedarf weiter steigen. Gleichzeitig erfordern schwindende Ressourcen und der Klimawandel einen sparsameren Umgang mit Energieträgern. Die Zukunft der Energiegewinnung wird deshalb verstärkt durch erneuerbare Energienund die effizientere Nutzung fossiler Brennstoffe geprägt sein.

Windenergie

Schon heute ist Siemens die klare Nummer eins bei der Nutzung von Windenergie auf dem Meer. So lieferte der Weltmarktführer bei Offshore-Windkraftanlagen etwa für das Projekt Amrumbank West in der Nordsee 80 Windenergieanlagen. Mit einer installierten Leistung von 288 MW wird der Windpark nach seiner Inbetriebnahme im Jahr 2015 sauberen Naturstrom für rund 300.000 Haushalte zur Verfügung stellen. Das Offshore-Windenergieprojekt Amrumbank West entsteht rund 35 Kilometer nördlich von Helgoland und rund 37 Kilometer westlich der nordfriesischen Insel Amrum.

Ein Offshore-Windkraftwerk mit 72 Windturbinen von Siemens entsteht 90 Kilometer westlich der Insel Sylt in Wassertiefen zwischen 25 und 37 Metern. Richtungsweisend ist das Servicekonzept für den Windpark „Sandbank“, das aus der Nähe zum Offshore Windkraftwerk DanTysk Synergie schöpfen und durch gemeinsamen Betrieb beider Projekte die Wartungskosten senken. Vattenfall hat Siemens zunächst mit der Wartung der Sandbank-Anlagen über fünf Jahre beauftragt.

maehhStrom aus dem Meer

Eine weitere wichtige Quelle für erneuerbare Energien ist die Wasserkraft. Insbesondere Strom aus Meeresströmungskraftwerken hat den Vorteil, dass die Energieausbeute anders als bei der Windkraft präzise berechenbar ist. Das erste pre-kommerziell nutzbare Meeresströmungskraftwerk SeaGen errichtete Siemens gemeinsam mit seinem britischen Tochter-Unternehmen Marine Current Turbines Ltd. an der nordirischen Küste. Es leistet 1,2 Megawatt und versorgt 1.500 Haushalte mit Strom aus Wasserkraft.

Hocheffiziente fossil-befeuerte Kraftwerke

Die Zukunft der Stromerzeugung liegt in einem ausgewogenen Energiemix. Auch im Rahmen der Energiewende werden fossil-befeuerte konventionelle Kraftwerke weiter eine wichtige Rolle spielen. Sie gleichen die naturgegebenen Schwankungen erneuerbarer Energien aus und bilden so die stabile Basis für eine zuverlässige, weltweite Energieversorgung.

Den besten Wirkungsgrad bei der fossilen Stromerzeugung haben moderne Gas- und Dampfkraftwerke. Das weltweit effizienteste Kraftwerk von Siemens im bayerischen Irsching ist beispielsweise in der Lage, fast 61 Prozent der Erdgasenergie in Strom zu verwandeln – damit benötigt es rund ein Drittel weniger Brennstoff pro Kilowattstunde als der Durchschnitt aller Gaskraftwerke. In weniger als 30 Minuten kann ein solches Kraftwerk vom Stillstand auf eine Leistung gebracht werden, die ausreicht, eine Stadt wie Berlin mit Strom zu versorgen.

Noch effizienter sind Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung, die gleichzeitig Strom, Wärme oder Prozessdampf (Wasserdampf) abgeben und so einen energetischen Nutzungsgrad von 60 bis über 90 Prozent erreichen. Ein Beispiel hierfür wird das Kraftwerk Lausward mit einer elektrischen Leistung von 595 Megawatt sein, das Siemens im Düsseldorfer Hafen errichten wird. Das ist Weltrekord für einen einzigen GuD-Block. Der Netto-Wirkungsgrad wird mehr als 61 Prozent betragen. Nach 60,75 Prozent – dem bisherigen Spitzenwert im GuD-Kraftwerk Irsching – wird auch das ein Weltrekord. Eine dritte Weltbestmarke wird mit der Fernwärmeauskoppelung erzielt: Nie zuvor ist es gelungen, 300 Megawatt (thermisch) aus einem einzigen Gasturbinen-Kraftwerksblock im GuD-Betrieb auszukoppeln. Der Gesamtnutzungsgrad des Brennstoffs Erdgas steigt auf 85 Prozent.

Klimaschutz

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Seit Beginn des Industriezeitalters nutzen die Länder des Nordens in großem Umfang die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas. Bei ihrer Verbrennung werden Treibhausgase freigesetzt, die die Atmosphäre aufheizen und damit das Weltklima beeinflussen. Wenn die heute vorliegenden Modell­rechnungen stimmen, wird sich das globale Klima in den kommenden Jahrzehnten stark verändern: Heute noch fruchtbare Anbauregionen könnten zu Wüsten werden, ganze Inselstaaten im Meer versinken. Der Klimawandel trifft die Länder besonders hart, die stark von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig sind – die meisten von ihnen sind arme Länder. Ihnen fehlen die Mittel, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.

Die Nutzung von erneuerbaren Energien erhöht die Konzen­tration von Treibhausgasen in der Atmosphäre nicht. Sie ist darum eines der wichtigsten Instrumente zum Klimaschutz.

muffDie Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris weist in ihrem „World Energy Outlook 2010″ darauf hin, dass Treibhausgas­emissionen und Luftverschmutzung verringert und die Energie­versorgungssicherheit erhöht werden könnten, wenn die staatliche Subventionierung von fossilen Brennstoffen abgeschafft würde. 2009 beliefen sich die Subventionen auf 312 Milliarden US-Dollar, im Vorjahr wurden – aufgrund hoher Weltmarktpreise für Rohöl – sogar 558 Milliarden US-Dollar an staatlicher Unterstützung gezahlt. Nur ein Bruchteil dieser Subventionen kam den Armen zugute.

Im September 2009 verpflichteten sich die Staats- und Regierungschefs der G20, die ineffiziente staatliche Subven­tio­nierung von fossilen Brennstoffen auslaufen zu lassen. Dem folgten im November 2009 auch die Regierungen der Länder des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Asia-Pacific Economic Cooperation, APEC).

Erneuerbare Energien machen unabhängig von fossilen Energieträgern

Die Menschheit wächst und damit auch ihr Energiebedarf. Nach Schätzungen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wird sich der globale Energieverbrauch bis 2030 im Vergleich zu heute um 50 bis 70 Prozent erhöhen. Doch die Vorräte an fossilen Brennstoffen sind begrenzt; schon heute macht sich das durch schwankende und steigende Ölpreise bemerkbar. Experten rechnen damit, dass Erdöl bereits in den nächsten 20 Jahren so knapp werden könnte, dass mit extremen Preissteigerungen zu rechnen ist.

Die Preisentwicklung des Energie­sektors hat schon jetzt dramatische Auswirkungen auf die Entwicklungsländer, die Erdöl importieren müssen. Lag der Preis für ein Barrel Rohöl (etwa 159 Liter) zu Beginn des Jahrtausends unter 20 US-Dollar, stieg er im Jahr 2008 zeitweise auf über 140 US-Dollar. Die Weltbank hat berechnet, dass ein Ölpreisanstieg von einem Dollar pro Fass für die Entwicklungsländer Mehrkosten in Höhe von einer Milliarde Dollar bedeutet. Somit liegen die Mehrkosten für diese Länder mittlerweile höher als die gesamten öffentlichen Mittel, die international für Entwicklungs­zusammen­arbeit bereitgestellt werden.

Damit entwicklungspolitische Initiativen wie der Schuldenerlass für arme Länder nachhaltig Wirkung zeigen können, müssen Entwicklungsländer unabhängiger von fossilen Energieträgern und ihren schwankenden Weltmarktpreisen werden. Das wird am besten durch die Nutzung lokaler Energieressourcen erreicht, etwa durch Windräder, Wasserkraft, Biomasse oder Solarenergie.

Erneuerbare Energien

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Das Potenzial der erneuerbaren Energien ist riesig. Rein rechnerisch liefern Sonne, Wind, Wasser, Erde und Biomasse tausendfach mehr Energie, als die Weltbevölkerung benötigt. Bisher hat die Menschheit jedoch nur einen Bruchteil dieses Potenzials technisch nutzbar gemacht. Erneuerbare Energien haben darum für die weltweite Energieversorgung noch immer eine untergeordnete Bedeutung. Das liegt unter anderem daran, dass die Mittel für erforderliche Investitionen fehlen und dass fossile Energieträger in vielen Ländern subventioniert werden.

Dennoch setzen sich erneuerbare Energien immer mehr durch. 2009 wurden weltweit 150 Milliarden US Dollar in neue Strom­erzeugungskapazitäten investiert – fünf Jahre zuvor lagen die Investitionen noch bei rund 20 Milliarden US-Dollar. 18 Prozent der globalen Stromproduktion stammten 2009 aus erneuerbaren Quellen.

Eine ausreichende Energieversorgung ist eine Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung. Die Nutzung erneuerbarer Energien kann entscheidend dazu beitragen, diese Voraussetzung zu erfüllen – vor allem in Entwicklungsländern: Erneuerbare Energien können auch ohne eine optimal ausgebaute Infra­struktur eingesetzt werden. Sogar in entlegenen Regionen, die vom restlichen Versorgungsnetz isoliert sind, ist dadurch eine Versorgung mit Energie und damit auch nachhaltiges Wirtschafts­wachstum möglich. Der Zugang zu modernen, sauberen Energie­formen kommt so vor allem der armen Bevölkerung zugute.

puuhZurzeit fördert das Bundesministerium für wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung Energievorhaben in mehr als 50 Partnerländern. Diese Vorhaben

  • helfen, die Armut zu vermindern,
  • helfen, das Klima zu schützen,
  • machen unabhängig von fossilen Energieträgern,
  • fördern ein nachhaltiges Wachstum der Wirtschaft,
  • schonen die Gesundheit der Menschen und die natürlichen Ressourcen
  • und helfen, den Frieden zu sichern.

Erneuerbare Energien helfen, die Armut zu bekämpfen

Zwischen mangelhafter Energieversorgung und Armut besteht ein direkter Zusammenhang. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) schätzt, dass 1,4 Milliarden Menschen – mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung – keinen Zugang zu Strom haben. 2,7 Milliarden Menschen kochen mit Biomasse. Vor allem Frauen und Kinder müssen oft viele Stunden am Tag mit der Suche nach Feuerholz verbringen. Viel Zeit, in der die Frauen keiner produktiven Arbeit nachgehen und die Kinder keine Schule besuchen können. Neben dem Holz werden Batterien, Kerzen und Petroleum zur Energieversorgung genutzt – teure Produkte, für die viele Haushalte rund ein Drittel ihres ohnehin geringen Einkommens ausgeben müssen.

Auch soziale und gesundheitliche Aspekte von Armut können nur mit einer ausreichenden und bezahlbaren Energieversorgung bekämpft werden: Schulen brauchen Licht, damit Kinder lernen können, Ausbildungsbetriebe benötigen Strom, um Maschinen anzutreiben, und auch Krankenstationen kommen nicht ohne Energie aus.

Besonders in ländlichen Gebieten spielen die erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle. Kleinkraftwerke auf Basis von Sonne, Wasser, Biogas oder Erdwärme können vor Ort betrieben werden. Sie decken den lokalen Energiebedarf, sind wirt­schaft­lich, umwelt- und klimaschonend. Sie helfen, den Teufelskreis aus Energiearmut und Einkommensarmut zu durchbrechen.